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Mit Liebe zum Detail - realistische Kulisse eines Polizeibetriebs

Ich lese gerne spannende Bücher, die anspruchsvoll sind und trotzdem runter gehen wie Sahne (in Kombination mit feiner Schokocreme zum Beispiel). Besonders mag ich Krimis. Da ich jetzt wieder vermehrt Zeit zum Lesen habe, werde ich meinen Bücherkonsum kurz kommentieren. Immer so knapp und prägnant wie möglich.

Petra Ivanov – „Stille Lügen“

Im Grunde hat es ein Dürrenmatt schon gut gehabt – das Publikum hat ihm einen einfach gestrickten Polizei- und Fahndungsbetrieb dankbar abgekauft. Man nehme ein  Kommissär, gebe ihm vielleicht noch einen Kollegen und am Rande ein Vorgesetzten oder einen Staatsanwalt dazu, und schon ist die Fahndungsmaschine komplett.  Nun, die Zeiten haben sich geändert, ein Lesepublikum hat heute höhere Ansprüche. Diese zu befriedigen versteht Petra Ivanov in ihrem Krimi „Stille Lügen“. Zur Handlung: Regina Flint, Staatsanwältin, und Cavalli (havarierter Fahndungsleiter) befinden sich in Georgien auf Urlaubsreise und ermitteln in privater Sache. Sie suchen Isabelle Jenny, eine Schulkameradin von Regina, die plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist. Dabei geraten sie selbst in die Justizmühle und machen Bekanntschaft mit den traumatisierenden Haftbedingungen eines Schwellenlandes. Wieder zurück in der Schweiz, unterstützen sie nach Kräften die Ermittlungen, die im Zusammenhang mit der Verschwundenen und weiterer Todesfälle auf Hochtouren zu laufen beginnen.

Der Plot besticht durch hervorragende Detailkenntnisse des schweizerischen Justizsystems, dank deren eine authentische Kulisse entsteht. Auch versteht es die Autorin erstaunlich gut, traumatisierende Situationen und deren Folgen in Worte fassen. Dass die Staatsanwältin der Schriftstellerin als Charakter gelingt, ist weniger hervorzuheben, als  der Umstand , dass ihr auch die Männerfigur des Kommissars (Cavalli) ganz flott von der Hand geht – es gehört wohl zum Schwierigsten des literarischen Handwerks überhaupt, überzeugende Figuren des anderen Geschlechts zu schaffen; einzig ein wichtiger Ermittler (Fahrni) wirkt ein bisschen arg unterbelichtet und man hofft, dass solche Männer nicht wirklich bei der Polizei arbeiten. Alles in allem: ein guter Lesegenuss, ein Krimi, der das Geld wert ist. Note: 5.0 (Skala 1 – 6)

14.10.13 10:09
 
Letzte Einträge: Direkt vor dem Schnüffelradar?, Warum mich Schnüffler nerven - oder das Affenhirn im Menschen, Und doch noch etwas zur Funktionsweise von Machtsystemen


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